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Wissenswertes zum Thema Rauchen

Nichtraucherschutz im Land scheitert in Wien


Gepostet am: 14.02.12
Die „typisch österreichische“ Lösung – also weder Fisch noch Fleisch – beim Tabakgesetz erhitzt die Gemüter. Die VN haben bei Alois Stöger nachgefragt, in welcher Form er sich als Gesundheitsminister für rauchfreie Lokale einsetzt und weshalb es so schwierig ist, eine für alle tragbare Lösung zu finden.

Rauchen Sie?

Alois Stöger: Nein, schon seit über 14 Jahren nicht mehr.

In Ländern wie Großbritannien, Spanien und Italien funktioniert das Rauchverbot in öffentlichen Räumlichkeiten einwandfrei. Warum ist Österreich noch nicht so weit?

Stöger: Grundsätzlich ist ja auch in Österreich in öffentlichen Räumen das Rauchen verboten. Allerdings gibt es aufgrund der politischen Machtverhältnisse im Parlament Ausnahmeregelungen in der Gastronomie. Anders wäre 2008 gar keine gesetzliche Verbesserung beschlossen worden.

Laut einer VN-Umfrage sprechen sich zwei Drittel vehement für ein Rauchverbot in der Gastronomie aus. Wieso ist die Politik hierzulande nicht imstande, das Gesetz zu verschärfen? Den Segen von der Bevölkerung hätte sie ja.

Stöger: Offenbar sind im Parlament die wirtschaftlichen Interessen besser vertreten. Ein völliger Nichtraucherschutz in der Gastronomie, den ich aus gesundheitspolitischer Sicht selbstverständlich unterstütze, hat bislang keine Mehrheit gefunden.

Schafft es Österreich in der Gastronomie in den kommenden Jahren ganz ins „Nichtrauchertum“? Oder wartet man einfach, dass man der EU den schwarzen Peter zuschieben kann? Die EU-Kommission will Europa ja komplett rauchfrei machen und kritisiert Österreichs Gesetz schon lange.

Stöger: Auch in Österreich ist ja der Trend zum Nichtrauchen da: Schüler rauchen entgegen den Klischees immer weniger, durch das Tabakgesetz steigt die Zahl der Räume, in denen nicht geraucht wird, stetig. Und immer mehr Menschen gewöhnen sich daran und schätzen die Vorteile.

Was ist Ihr Beitrag, dass Österreich rauchfrei wird?

Stöger: Den Menschen nahezubringen, dass man ohne Rauch besser lebt. Dies geht unter anderem über den Weg, die Zahl der Räume, in denen nicht geraucht wird, kontinuierlich zu vergrößern. Mittlerweile sind auch viele Verfahren gegen jene Gastronomen, die sich mit mehr oder weniger kreativen Tricks dagegen sträuben, in letzter Instanz abgeschlossen – immer in unserem Sinn. Immer mehr Menschen erkennen aber die Vorteile, wie ja auch die VN-Umfrage zeigt. Verbote sind das eine, vor allem aber geht es darum, das Bewusstsein zu ändern. Und hier spielen viele Faktoren mit: Aufklärung, pädagogische Unterstützung, Förderung der Freude an Bewegung, um nur drei zu nennen.

Verstehen Sie den Unmut der Wirte? Vielen blieb nichts anderes übrig, als große Investitionen in die Anschaffung separater Raucherräumlichkeiten zu tätigen. Ob das Gesetz bleibt, wie es ist, weiß aber keiner.

Stöger: Ich habe die Standesvertreter gefragt, ob sie nicht gleich alle Räume verpflichtend rauchfrei haben wollen, um sich so teure Umbaukosten zu sparen. Sie wollten nicht. Und ohne Zustimmung der Wirtschaftsvertreter hätte es gar kein neues Tabakgesetz gegeben. Übrigens wird ja kein Wirt daran gehindert, ein Nichtraucherlokal zu betreiben.

Angestellte in der Gastronomie sind dem Qualm täglich stundenlang ausgesetzt. Wäre es nicht Ihre Aufgabe als Gesundheitsminister, da was zu unternehmen?

Stöger: Nochmals: Als Gesundheitsminister – und Gewerkschafter – habe ich natürlich gänzlich rauchfreie Lokale vorgeschlagen. Für Gesetze braucht es aber eine Mehrheit im Parlament.

Gehen Sie selbst noch in Raucherlokale?

Stöger: Grundsätzlich nicht. Ich schätze gutes Essen in rauchfreier Umgebung und will diesen doppelten Genuss nicht mehr missen.

Gibt es Pläne, die Tabaksteuer erneut zu erhöhen?

Stöger: Das müssen Sie die Frau Finanzministerin fragen.

Zur Person

Alois Stöger, Gesundheitsminister
Geboren: 3. September 1960 in Linz
Ausbildung: Lehre zum Maschinenschlosser bei der VÖEST, Fernstudium der „Sozialen Praxis“ in Straßburg
Laufbahn: 1982 wurde Stöger Vorsitzender der oberösterreichischen Gewerkschaftsjugend, ab 1986 war er Sekretär der Gewerkschaft Metall-Energie-Bergbau. Von 1997 bis 2003 war Stöger Gemeinderat in Gallneukirchen, von 2003 bis 2008 Stadtrat. Seit 24. November 2008 ist der Linzer designierter Gesundheitsminister.
Familie: Stöger ist zum zweiten Mal verheiratet. Er hat eine Tochter aus erster Ehe.

Quelle: http://www.vol.at



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